14.11. – 30.11.2017//Monika Majer – Wach Winter Schlaf

Monika Majer

Wach Winter Schlaf

Formgüsse und Tafelbilder

Ausstellung im SCHAURAUM Kulturverein Provisorium

 

 

Durch eine in schummeriges Licht getauchte Bar, über eine Treppe hinabsteigend, einen hohen schmalen Konzertsaal durchquerend, gelangt man über ein paar Stufen, durch eine schlanke hohe Türöffnung in die Ausstellung: Wach Winter Schlaf von Monika Majer.

Die Augen müssen sich erst einmal daran gewöhnen, an das gleißende Licht, das die Besucher im Ausstellungsraum empfängt. Das Weiß der Wände erfüllt den Raum. Scheint alles zu überstrahlen, langsam tauchen grauschwarze Rechtecke auf, rhythmisch im Raum verteilt und ovale Reliefe, in Augenhöhe an den Wänden platziert. Im Raum verstreut stehen weiße Sockel auf denen graue amorphe Objekte platziert sind. Wach, fordert der Titel der Ausstellung. Wach sein, bedeutet mit allen Sinnen da sein. Die Ausstellung von Monika Majer fordert das Wachsein auf verschiedenen Ebenen von den BesucherInnen ein. Genau sehen, spüren, hören, fühlen. Die einzelnen Exponate nehmen sich in Farbigkeit und Größe sehr zurück und präsentieren sich im Gesamten als zarte Inszenierung im Raum.

Die geheimnisvolle, fast sakrale, Stimmung in die dieses zarte Setting den Besucher versetzt wird noch durch die Architektur des Raumes verstärkt, der durch seine enorme Höhe und Fensterlosigkeit jede Bewegung und jeden Laut akustisch verstärkt in den Raum zurück wirft. Man fühlt sich allein und bewegt sich bedächtig durch den Raum auf der Suche nach Gewissheit. Die Künstlerin Monika Majer versteht es, den Besucher in eine suchende Stimmung zu versetzen. Beim bewussten Wandeln durch die Ausstellung und genauerem Hinsehen entpuppen sich die ovalen Reliefs als Selbstporträts der Künstlerin. Ihre markanten Gesichtszüge finden sich seltsam verschoben, leicht demoliert und durch viele kleine Kieselsteine, die sich im Material befinden, deformiert. Das Grau des Zements findet sich in den maskenhaften Gesichtern an den Wänden und in den kugelförmigen Objekten auf den Sockeln wieder. Wichtig ist der Künstlerin die Herangehensweise der BetrachterInnen. Sie möchte die Frage nach dem „Wie“, die sofort im Raum steht nicht beantworten. Die Künstlerin ist der Überzeugung, dass das Wissen und die Klärung der technischen Herstellung der Arbeiten, diese nur von etwas berauben würden, was zu spüren und zu entdecken der BetrachterInnen obliegt. Und so folgt nach dem „Wie“ das „Warum“. Monika Majer ist gelernte Steinmetzin, das sie ihr Gesicht, auf diese vereinfachte Art, in sehr ähnlichen Formen und Farben, reihum an den Wänden des Ausstellungsraums platziert und den BesucherInnen auf dieser Art und Weise präsentiert ist Absicht.

Mit ihren nicht sehenden Augen und der grobverkieselten Oberflächen ruhen die Porträts in sich und suchen keinen Dialog. Sie ruhen in sich, mit ihrer Ähnlichkeit zur Künstlerin und den unterschiedlich ausgeprägten vom Vorbild abweichenden Deformationen. Die Steine drücken sich aus der Form heraus, erinnern vage an Lebensspuren, Verletzungen, Krankheiten, spielen mit der Oberfläche, durchstoßen, wölben aus, wo eigentlich Oberflächenspannung, Glätte sein sollte. Es ergibt sich das Bild einer Versuchsreihe, eines Versuchs der Künstlerin, im Nachformen ihres Gesichts auf Fragen Antworten zu geben, die sich den BetrachterInnen nicht sofort offenbaren, vielmehr wirft sich durch die so unvorteilhafte und der äußeren Schöhnheit abgesagten Poträts der Gedanke nach dem eigenen Selbstempfinden auf und stellt sich dem in unserer Gesellschaft ausgeprägten Schöhnheitskult und Bodytuning entgegen. Die Gesichter von Monika Majer sind keine traditionellen Ritual-Masken eines Schamanenvolkes. Dennoch wirken sie hier im Ausstellungsraum wie Wächter, die nicht sehend einen Zustand darstellen, der sich weit weg vom Mainstream und den oberflächlichen Bemühungen nach genormten Schönheitsidealen befindet.

Den flachen Gesichtern stehen dreidimensionale kugelförmige Objekte im Raum gegenüber. Ihre Größen sind so scheint es den Händen der Künstlerin angepasst und ähnlich wie bei den Gesichtern einem empfindsamen, formsuchenden Willen entsprungen. Auch bei diesen Gebilden ist das Machen, das künstlerische Handeln, für die Formgebung ausschlaggebend ist, genauso wichtig wie das Material und die Form an sich. Denn die Materialtät spielt eine sehr wichtige Rolle im Werk von Monika Majer und besonders in dieser Ausstellung.

Zement, Wasser, Steine. Aus diesen Materialien hat Monika Majer ihre Skulpturen geschaffen. Sie erzählt mit ruhiger fester Stimmen von den Begebenheiten aus denen heraus, sie die Steine, das Wasser, den Sand gesammelt hat. Bilder von Landschaften, Feldern, Wiesen, Pfützen und Flüßen ziehen vor dem inneren Auge vorbei, eigene Erinnerungen werden lebendig.

Gebannt, nun mit Zement fixiert und in Form gebracht, werden die Emfindungen zu neuzeitlichen Versteinerungen romatischer Sehnsüchte. In unseren digitalen, visuellen Welt, in der das Zücken des Mobilphones, der routinierte Ablauf geworden ist Erlebnisse einzufangen und das Archivieren über das Erleben des Augenblicks zustellen, diesem setzt Monika Majer eine ganz andere Handlungsweise entgegen. Ihre Erlebnisse und Wertschätzungen des Augenblickes verwandelt sie in haptisch erfahrbare und mit den Augen von allen Seiten visuell abtastbare Objekte. Es entstehen Zeugnisse einer tief menschlichen Sehnsucht, die Natur und ihre Schönheit in eine den Moment überdauernde Form zu bringen.

Die romantische Suche nach einer tieferen Bedeutungsebene in der Natur, mit Achtsamkeit den Dingen im Leben zubegegnen, die sich in Monika Majers Fomgüssen spiegelt, findet sich auch in den Aschebildern wieder, die die Künstlerin direkt auf dem Boden gegen die Wände gelehnt im Raum verteilt hat. Fast monochrome Tafelbilder sind entstanden. Spuren von wischenden Gesten verwandeln sich in wolkenartige Formationen, die jedoch völlig abstrakt bleiben. Wie gedankliche Ruhepole, entziehen sich die Tafelbilder jeglicher genaueren Assoziation. Unter den Gesichtern im Raum platziert, geben sie der Ausstellung eine Struktur und öffnen einen weiteren Assoziationsraum. Die Bilder, lassen an die Wärme denken, an das Feuer, das ein mal war. Die monochromen Tafelbilder sind materiell gesehen das letzte Glied einer Metamorphose von Leben Wachsen Vergehen und bergen in sich den Anfang des Lebenskreislaufes. Der Frühling folgt wird unumkömlich Wach Winter Schlaf.

Josephine Bonnet, Dezember 2017

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Kunst im Schauraum